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Geschlechtergerechte
Sprache weiter notwendig
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Bianca Friesenbichler |
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Über
die Autorin
Bianca Friesenbichler, Mag.a phil., ist Mitarbeiterin von "Educon", Erwachsenenbildnerin und Online-Redakteurin des Magazin erwachsenenbildung.at. Das Fachmedium für Forschung, Praxis und Diskurs. Sie studierte Bildungs- und Erziehungswissenschaften in Graz. |
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Geschlechtergerechte Sprache weiter notwendig Seit
vielen Jahren wird über die Sinnhaftigkeit geschlechterneutraler
Sprache diskutiert. Während etwa 1988 weibliche Amtstitel in Österreich
eingeführt worden sind, haben sich Schreibweisen wie "ÖsterreicherInnen"
nicht durchgesetzt. Sie meint, dass Sprache Bilder hervorbringt, die die Wirklichkeit prägen - nicht zuletzt auch in der Wissenschaft. |
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Geschlechtergerechter
Sprachgebrauch
Von Bianca Friesenbichler Ein Rätsel: Vater und Sohn fahren im Auto. Sie haben einen schweren Unfall, bei dem der Vater sofort stirbt. Der Bub wird mit schweren Kopfverletzungen in ein Krankenhaus gebracht, in dem ein Chef-Chirurg arbeitet, der eine bekannte Kapazität für Kopfverletzungen ist. Die Operation wird vorbereitet, alles ist fertig, als der Chef-Chirurg erscheint, blass wird und sagt: "Ich kann nicht operieren, das ist mein Sohn!". Frage: In welchem Verwandtschaftsverhältnis stehen der Chirurg und das Kind?" Beim erstmaligen Lesen verursacht dieses Rätsel wohl viel Kopfzerbrechen und führt zu wilden Spekulationen über uneheliche Kinder, zweite Ehen, Adoptionen. Was aber ist die Antwort? Der Chirurg ist die Mutter des Kindes, also eigentlich die Chirurgin. |
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Längst gelebte Praxis? Die Forderungen nach einer genderfairen Sprache sind schon alt: 1985 wurden geschlechtsspezifische Stellenausschreibungen im öffentlichen Dienst gesetzlich verboten, 1988 wurden erstmals weibliche Amtstitel eingeführt usf. Diese Richtlinien, Vorgaben und Gesetze kommen allmählich in Hochschulschriften, Stellenausschreibungen oder Evaluationsbögen der Universitäten zum Tragen. In Tageszeitungen, Online-Medien, Schulbüchern, in Fernseh- und Radioberichterstattungen ist davon aber noch wenig zu spüren. Auch die deutsche Grammatik sträubt sich gegen das Binnen-I ("LeserInnen") oder die Großschreibung unbestimmter Artikel wie eineR, einE oder eineN. Wissenschaftliche Fachzeitschriften setzen genderfairen Sprachgebrauch äußerst selten als Standard voraus. In der Alltagskommunikation verwendet kaum jemand weibliche Endungen. |
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Sprache erzeugt Bilder Das Rätsel vom Chirurgen zeigt, wie schnell und selbstverständlich beim Hören oder Lesen des Begriffes "Chef-Chirurg" ein Bild in unseren Köpfen auftaucht: Es ist das Bild von einem Mann in einem weißen oder grünen Kittel in einem Operationssaal, der AssistentInnen um sich geschart hat, die ihm die benötigten chirurgischen Werkzeuge reichen. Ähnliches passiert bei den Berufsbezeichnungen "Elektriker" oder "Tischler". Dies liegt natürlich nicht nur an der Sprache, sondern vielmehr an Geschlechterrollenbildern, die sich mit diesen Berufen verbinden lassen. "Genderunsensible" Sprache hält diese Bilder nicht nur aufrecht, sondern macht sie auch resistent gegen jegliche Veränderungen. |
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Teil von Gender Mainstreaming Geschlechtergerechter Sprachgebrauch kann gleichstellungspolitische Maßnahmen nicht ersetzen. Aber er ist ein Teil davon - ein Teil, den jedeR Einzelne jeden Tag ein- und umsetzen kann, weil wir täglich mittels Sprache kommunizieren und somit Wirklichkeit (er-)schaffen. Ein reflektiertes Sprachverhalten kann zu einer gerechteren Wirklichkeit beitragen. Wenn wir konsequent statt nur von Technikern auch von Technikerinnen reden, erscheinen in unseren Köpfen bald nicht nur Bilder von Männern, sondern auch von Frauen. Dies könnte junge Mädchen und Buben in ihrer Berufswahl beeinflussen und sie zur Ergreifung von Berufen auch außerhalb der Kategorien "Männerberufe" und "Frauenberufe" ermutigen. |
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Personen werden sichtbar gemacht Durch das explizite Ausweisen und Hinweisen auf das Geschlecht von ursprünglich depersonalisierten Begriffen wird das Bewusstsein dafür geschärft, dass es sich beim Benannten um Personen handelt. Gerade Wirtschafts-, Sozial und Rechtswissenschaften, aber auch die Massenmedien verwenden Begriffe wie "Markt", "Anbieter", "Nachfrage", "Fachkräftemangel", "Staatsbürger", "Volk", "Kollateralschaden" usf. Diese Wortwahl führt dazu, die betroffenen Menschen, von denen die Rede ist, nicht wahrzunehmen: Frauen und Männer, die ProduzentInnen und KäuferInnen, die ArbeitnehmerInnen und BürgerInnen sind, Frauen und Männer, aber auch Kinder und Jugendliche, die zu Kriegsopfern wurden und Frauen und Männer, Kinder und Jugendliche, die Rechte haben. Werden anstelle dieser Begriffe Personenbezeichnungen mit geschlechtersensiblen Endungen wie das Binnen-I oder /-innen verwendet, wird für LeserInnen/HörerInnen klarer, dass es sich um individuelle Personen handelt. |
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Und wozu in der Wissenschaft? Wissenschaft ist das, was Wissen schafft - und damit auch Wirklichkeit. Sie ist gesellschaftlich angesehen und hat eine VorreiterInnen- und Vorbildrolle inne. Daher sollte gerade Wissenschaft auch in Gleichstellungsfragen Verantwortung übernehmen. Diese Verantwortung endet nicht beim Gebrauch geschlechtergerechter Sprache, kann aber da beginnen. |
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Weiterführende
Links zu dem Thema:
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Arbeitsinspektion
(2005): Gender Mainstreaming. Geschlechtergerechter Sprachgebrauch in
der Arbeitsinspektion und bei Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. |
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